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Lean Management Bei RUCH

Lean Management bei RUCH

Matthias Ruch, Geschäftsleitungsmitglied, im Interview.

Karin Brun-Lütolf: Seit du hier bei RUCH vor zwei Jahren nach deinen Lehr- und Wanderjahren eingestiegen bist, Matthias, ist mir etwas aufgefallen: Obwohl es in den Produktionshallen schon vor deiner Zeit sehr ordentlich war, sind sie seit deiner Anwesenheit noch einen „Tick“ aufgeräumter. Paletten mit Lagerteilen sind detailliert angeschrieben und geordnet, Werkzeuge sind sichtbar an den Wänden platziert usw.

Was bedeutet dir Ordnung?

Matthias Ruch: Unter Ordnung verstehe ich, dass alles an seinem vorgesehenen Ort ist und man nichts suchen muss. Ebenso sollte das Material sauber beschriftet sein, so dass für alle eine Zuordnung ohne Recherchearbeiten möglich ist. Dadurch kann mühsames Suchen verhindert werden. Lean Management ist ein Ansatz, um Verschwendungen jeglicher Art – zum Beispiel die Zeitverschwendung beim Suchen – im Betrieb zu eliminieren.

Kannst du den Ansatz vom Lean Management näher erklären, damit auch „Laien“ eine Ahnung und ein Gespür dafür bekommen?

Matthias Ruch: Der Begriff „Lean Management“ leitet sich vom ursprünglichen Ausdruck “Lean Production“ ab, welcher zu Beginn der Neunzigerjahren in der Automobilindustrie so richtig Fahrt aufgenommen hat. Er bezeichnet die Gesamtheit der Denkprinzipien, Methoden und Verfahren zur effizienten Gestaltung der Wertschöpfungskette. Lean Management hat sich stetig weiter entwickelt und ist heute ein Führungs- und Organisationskonzept. Es wird nicht nur in der Produktion, sondern in allen Unternehmensbereichen eingesetzt. Jede Form von Verschwendung, Fehlern und unnötigen Kosten soll vermieden werden, bei gleichzeitigem Streben nach bestmöglicher Qualität.

Zusammen mit Markus Bossert, Werkstattleiter, hat Matthias Ruch das Lean-Projekt geleitet.

In einem Metallbaubetrieb mit individuellen Aufträgen und Projekten ist es im Vergleich zur Automobilindustrie mit wiederkehrenden Prozessen wohl schwieriger, Lean Management zu praktizieren. Auf welchem Gebiet wird Lean Management bei RUCH angewendet?

Matthias Ruch: RUCH produziert momentan 1‘800 Gepäckablagen für Zugkomponenten von Stadler Rail. Das Projekt dauert über ein Jahr. Ein zweites Projekt wird bald gestartet. Daher eignet sich dieses Projekt optimal als Referenzobjekt, um die internen Abläufe zu optimieren, das Lean-Gedankengut „einzuimpfen“ und die gewonnen Erkenntnisse auch auf die anderen Abteilungen zu adaptieren.

Welche Lösungsansätze habt ihr erarbeitet, um das Risikopotenzial zu minimieren?

Matthias Ruch: Wir haben zusammen mit dem Beratungsunternehmen „Wertfabrik“ eine Auslegeordnung vorgenommen. Jeder Arbeitsschritt wurde analysiert und dokumentiert (Zeitmessungen und Zeitannahmen). Danach wurden die einzelnen Arbeitsschritte aufeinander abgestimmt und getaktet. Natürlich hatte dies zur Folge, dass auch gewisse Produktionsabläufe umgestellt werden mussten.

Musstet ihr euch auch „physisch“ umorganisieren? Brauchte es zum Beispiel neue Räumlichkeiten oder zusätzliche Ressourcen?

Matthias Ruch: Nein. Wir benutzen nach wie vor dieselben Räumlichkeiten. Wir haben uns aber die Arbeitsplätze und Hilfsmittel genau nach den Bedürfnissen eingerichtet und teilweise auch selber hergestellt. Diese erleichtern uns jetzt die tägliche Arbeit enorm.

Was war der Gewinn des Lean-Prozesses?

Matthias Ruch: Wir sind froh, eine gute Performance in diesem Prozess erreicht zu haben. Wir haben einen One-Piece-Flow kreiert. Dadurch sind wir viel schneller geworden, denn die einzelnen Teile, die wir im Voraus gefertigt haben, werden von unseren Mitarbeitern jetzt nur noch einmal in die Hand genommen und komplett fertig gestellt. Das heisst, wir können heute Gepäckablage für Gepäckablage zusammenbauen und verpacken. Es sind weniger Einzelteile im Umlauf und die Reaktionszeiten bei allfälligen Fehlern sind schneller. Unter dem Strich kann man sagen: Wir sind schneller und effizienter geworden, was uns sehr zuversichtlich macht.

Über welchen Effekt von Lean Management freust du dich besonders?

Matthias Ruch: Unsere Erwartungen wurden ganz klar übertroffen. Wir konnten die Durchlaufzeiten und Personalressourcen minimieren und gleichzeitig die Lieferzeiten prima einhalten. Was mich besonders freut: Die Mitarbeiter empfinden die Arbeit als angenehmer als vorher, was sich positiv auf die Mitarbeiterzufriedenheit auswirkt.

Solche Projekterfolge machen Lust auf mehr? Was sind deine nächsten Ziele?

Matthias Ruch: Die gewonnen Erkenntnissen sollen nun auf andere Unternehmensbereiche abgewälzt werden. Dies ist ein anspruchsvolles Vorhaben, da nicht alle Aufträge gleich standardisiert funktionieren. Doch ich denke, der Verschwendung kann immer Einhalt geboten werden. Weiter gibt es Optimierungspotenzial bei „Just-in-Time-Anlieferungen“ von Teilen (losweise), Ablagen, Prozessoptimierungen, sichtbarer Ordnung usw. Uns geht die Arbeit sicher nicht aus!

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